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Mein Hunderollstuhl
Ich bin Ferry, eine Dalmatiner-Rüde wie Ihr seht. Ich bin schon 15 Jahre
alt und wenn ich noch richtig laufen könnte, würde man mir mein Alter
überhaupt nicht ansehen. Doch leider kann ich seit einiger Zeit fast gar
nicht mehr alleine gehen.
"Cauda equina", so lautete die Diagnose des
Tierarztes, als alles vor etwa vier Jahren eigentlich ganz harmlos
angefangen hatte.

Ich war bei meinen Spaziergängen gelegentlich mit der
rechten Hinterpfote leicht eingeknickt und habe dabei meine Krallen
etwas über den Boden gezogen. Die ganzen Jahre konnte ich dann auch
noch gut mit meinem Herrchen und meiner Schwester Fina lange
Spaziergänge machen. Aber jedes Jahr wurden die Beschwerden etwas
schlimmer; ich bekam Tabletten, mein Herrchen massierte mich und legte
mich auf eine Magnetfeld-Matte. Alles half eine Weile, doch irgendwann
brauchte ich Hundeschuhe, damit ich mir meine Pfoten auf der Straße
nicht wund scheuerte.

Ich konnte jetzt auch nicht mehr so lange laufen,
war auf den Hinterbeinen schon etwas wackelig und manchmal fiel ich
sogar um, wenn der Weg etwas holperig und uneben war. Mein Herrchen
ging regelmäßig mit mir zum Tierarzt, ich bekam Spritzen, doch an eine
richtige Heilung war nicht zu denken. Es waren mehrere Abschnitte
meiner Wirbelsäule betroffen, so dass eine Operation leider auch nicht ^
möglich war. Die ständigen Reizungen und Entzündungen der Nerven
machten mir schon schwer zu schaffen. Das Treppen steigen fiel mir
auch immer schwerer, aber mein Herrchen half mir so gut es ging.

Letztes Jahr zu Weihnachten ging es mir dann ganz schlecht. Ich konnte
mich alleine überhaupt nicht mehr auf meinen Hinterbeinen halten und fiel
beim Laufen immer wieder hin. Mein Herrchen war ganz verzweifelt.
Er nahm einen Schal und legte ihn um meinen Bauch. So gingen wir dann
ganz kurz Gassi, meine Schwester, mein Herrchen und ich. Aber auf die
Dauer war das keine Lösung, denn ich wiege immerhin 35 kg und das
zog meinem Herrchen ganz schon in den Armen. Auch konnte ich jetzt
mein Geschäftchen nicht mehr so richtig halten und oft passierte ein
kleines oder großes Malheur in der Wohnung.

Wie so oft suchte mein Herrchen wieder nach einer Lösung. Diesmal fand
er sie im Internet. Dort war nämlich die Adresse von jenem phantasti-
schem Hunderollwagen angegeben, dem ich wieder ein ganz neues
Lebensgefühl verdanke. Mein Herrchen bestellte ihn sofort und ich habe
nur knappe zwei Tage gebraucht, um mich an mein neues "Gefährt" zu
gewöhnen. Natürlich musste ich einiges lernen; ich darf z.B. nicht mehr
so nah an Mauern und Zäune gehen. Dafür kann ich im Wald aber wieder
über Stock und Stein, denn der Wagen hält mich ja. Ich kann überall schnuppern und Häufchen machen ist auch kein Problem mehr.

ich kann einfach alles in eine Tüte fallen lassen, die mein Herrchen aufhält.
Ich kann mich auch wieder drehen und vor allem können wir wieder zu
dritt spazieren gehen. Ich bin mit meinem Hunderollstuhl ganz schön
schnell, im Schritttempo laufe ich neben meinem Herrchen und etwas
hinter meiner Schwester her.

Mein Tierarzt meint übrigens, der Rollwagen sei für mich die beste Therapie. Seit ich nämlich wieder regelmäßig laufe, sind auch meine Muskeln wieder kräftiger geworden und im Haus kann
ich sogar wieder ein kleines Stück ohne Hilfe gehen.
Wir haben inzwischen viele Leute getroffen, Leute mit und ohne Hund,
aber fast alle waren ganz begeistert und interessiert an unserem
Rollwagen. Ohne ihn könnte ich wahrscheinlich gar nicht mehr leben. Ich
verdanke ihm inzwischen schon fast ein ganzes Jahr meines
Hundelebens. Dabei ist er sehr einfach zu bedienen. Mein Herrchen muss
mich nur mit den Hinterbeinen in die "Hose" zu setzen und schon geht die
Fahrt los.

Zum Schluss wünsche ich allen Vierbeiner-Kollegen, die ein ähnliches
Schicksal haben wie ich, dass auch ihr Herrchen sich von so einem tollen
Hunderollstuhl begeistern lässt.
Joachim Borchers mit Ferry und Finchen aus Erlangen
Leider erreichte uns auch dieser Nachtrag:
Bei uns war es in der letzten Zeit sehr sehr traurig und wir sind es immer noch.
Unser Finchen, Ferrys Schwester, ist ganz plötzlich vor vier Wochen gestorben.
Sie hatte einen Tumor am Dünndarm, der nicht mehr operiert werden konnte. Sie
fraß eines Tage nicht mehr, erbrach, hatte hohes Fieber und blutigen Kot.
Unser Tierarzt öffnete noch ihren Bauch und stellte dann aber einen bereits zerfallenen
Lymphknoten fest. Weil ich mit Metastasen in kürzester Zeit rechnen müsste, ließ
er Finchen dann gar nicht mehr aufwachen.
So bleibt uns nur die Erinnerung an 15 wunderschöne Jahre und an ein treues
Hundeleben. Finchen begleitete mich praktisch bis zuletzt, wohin ich auch ging.
Der Ferry hat ihren Tod zum Glück offenbar einigermaßen verkraftet. Er frisst jedenfalls gut
und läuft auch wieder sehr schön mit seinem Wagen, Strecken bis zu 1 Stunde.
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